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Selbständigkeit, Scheinselbständigkeit und Alternativen für IT-Freiberufler

von Dr. Benno Grunewald am 25.03.2014

 

Problem


Aktuelle Entwicklungen auf dem Freiberuflermarkt im Bereich der IT-Beratung zeigen eine für Freiberufler ungute Tendenz: Unternehmen haben zunehmend Bedenken, mit Freiberuflern zusammenzuarbeiten, da sie befürchten, für diese Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen und sie als Arbeitnehmer behandeln zu müssen. Aktuelle Auslöser dafür waren ganz offensichtlich die Insolvenzen der Firmen Reutax und Lenroxx, von denen insbesondere die Unternehmen Deutsche Telekom bzw. T-Systems betroffen sind. Und gerade hier findet zurzeit eine umfassende interne Überprüfung sämtlicher Freiberufler statt, deren Risiken in die Ampelphasen grün, gelb und rot eingestuft werden, wobei etliche Freiberufler in diesem Zusammenhang bereits die „rote Karte“ erhalten haben. Und auch bei der Daimler Benz AG blinken offensichtlich Warnlampen beim Einsatz von Freiberuflern, weshalb das Unternehmen von seinen Vertragspartnern, den zwischengeschalteten Unternehmensberatungen, „Lösungen“ fordert.

 

Dies ist zwar insofern erstaunlich, als dass sich die DRB in der typischen Konstellation „IT-Berater – Unternehmensberatung – Endkunde“ nicht für den Endkunden, sondern stets nur für den Vertragspartner des Freiberuflers interessiert ; dennoch können und sollten Freiberufler die aufkommenden Bedenken gerade der Endkunden nicht ignorieren. Nun ist zwar nicht absehbar, dass sich aus diese beiden oben genannten Unternehmen betreffenden Vorgängen ein Flächenbrand entwickelt. Jedoch werden meiner Einschätzung nach Freiberufler zukünftig mit einer gesteigerten Sensibilität ihrer Auftraggeber rechnen müssen.

 

Und somit stellt sich die Frage, wie Freiberufler mit dieser Situation umgehen sollen.

 

Lösung: Statusfeststellungsverfahren?


Einige Auftraggeber verlangen bereits heute vom Freiberufler ein Testat der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRB), das die Selbständigkeit belegt. Damit wird vom Freiberufler letztlich gefordert, ein Statusfeststellungsverfahren bei der DRB einzuleiten. Hiervon kann ich nur dringend abraten!

 

Da ich mich seit 1998 intensiv mit der Problematik Scheinselbständigkeit und Rentenversicherungspflicht selbständiger IT-Berater befasse und bislang in ca. 1.000 Fällen Freiberufler und deren Auftraggeber beraten bzw. gegenüber der DRB außergerichtlich und gerichtlich vertreten habe, weiß ich, dass von 100 Anträgen zur Statusfeststellung ca. 95 in der ersten Reaktion der DRB abgelehnt werden. Im weiteren Verlauf kann dann zwar manchmal noch ein besseres Ergebnis erreicht werden – die Vielzahl der Statusfeststellungsverfahren landen aber vor dem Sozialgericht. Und: Dauert das Statusfeststellungsverfahren bei der DRB meist bereits zwischen 6 Wochen und einem Jahr, so entscheidet das Sozialgericht häufig erst nach mehreren weiteren Jahren, wobei Laufzeiten bis zu 5 Jahren nicht ungewöhnlich sind.

 

Somit erweist sich das Statusfeststellungsverfahren – auch wenn von der DRB heftig beworben - als vollkommen unpraktikabel und vermittelt bestenfalls eine Scheinsicherheit.

 

Der Vollständigkeit möchte ich jedoch auch auf den einzigen eventuell positiven Aspekt des Statusfeststellungsverfahrens hinweisen: Wenn der Antrag bei der DRB vor oder innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit gestellt wird und wenn der Antragsteller zu diesem Zeitpunkt eine private Kranken- und Rentenversicherung besitzt, die den Mindestanforderungen der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung entspricht und wenn der Antragsteller weiterhin erklärt, mit dem späteren Beginn der Versicherungspflicht einverstanden zu sein,dann hat dies zur Folge, dass der Auftraggeber erst ab Erlass eines Bescheids der DRB zahlungspflichtig wird. Und da das Statusfeststellungsverfahren bis zu einem Bescheid ein halbes Jahr oder länger dauern kann, besteht unter diesen Bedingungen in diesem Zeitraum des bereits laufenden Projekts kein Risiko für den Auftraggeber, nachträglich von der DRB „zur Kasse“ gebeten zu werden.

 

Dennoch ist dieser vermeintliche Vorteil des Statusfeststellungsverfahrens nach meiner Erfahrung in der Praxis kaum von Bedeutung. Denn einerseits wird ein Statusfeststellungsverfahren häufig erst im Laufe des Auftragsverhältnisses nach Ablauf der oben genannten Ein-Monats-Frist eingeleitet. Außerdem erfüllen die meisten Freiberufler nicht die Bedingung der Vergleichbarkeit ihrer privaten Kranken- und Rentenversicherung mit der gesetzlichen Versicherung, weil sie insbesondere nur sehr selten ein Krankentagegeld vereinbart haben, was aber zu den Mindestanforderungen gehört.

 

Und schließlich sollte jedem Freiberufler klar sein, dass er mit einem Statusfeststellungsverfahren bei der DRB „registriert“ ist, die sonst laufende Verjährung unterbrochen, d.h. bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens außer Kraft gesetzt wird und sich das Risiko der (eigenen) Rentenversicherungspflicht deutlich erhöht, wenn der Freiberufler – was in der IT fast der Regelfall ist – über einen längeren Zeitraum nur einen Auftraggeber und keine(n) eigenen Mitarbeiter hat.

 

Und somit zeigt sich, dass das Statusfeststellungsverfahren auch unter rein rechtlichen Aspekten nur selten vorteilhaft ist.

Arbeiten 2.0: Die Arbeitswelt wird kopfstehen und Selbstorganisation wird key

von Ida Saccone am 06.03.2014

 

Wer sich mit den Anforderungen der Arbeitswelt in den nächsten 10 – 15 Jahren beschäftigt, weiß, dass wir – trotz Migration – in Europa einen enormen Arbeitskräfte-Mangel bewältigen müssen.  Arbeitende – unabhängig ob Freiberufler oder Festangestellte – werden sich wahrscheinlich im Jahr 2030 aus zahlreichen Angeboten das für sie passende Unternehmen oder Projekt aussuchen können. 

 

Das bedeutet einen riesigen Wandel für Unternehmen, Führungskräfte und Teamarbeit. Unternehmen werden auf diese veränderten Rahmenbedingungen hauptsächlich auf zwei verschiedene Arten reagieren: Möglichkeit 1. Sie agieren als ‚Caring Company‘, sie hegen und pflegen also ihre Mitarbeiter und tun alles, damit diese sich wohlfühlen. Oder Möglichkeit 2. Sie arbeiten verstärkt mit virtuellen Teams, das heißt, es wird kaum noch Arbeitsplätze im herkömmlichen Sinne geben. Menschen arbeiten von zu Haus, inmitten ihres sozialen Umfelds. Arbeits-Ergebnisse werden zählen, statt Anwesenheitszeiten. Dies bringt enorm viel Freiheiten mit sich, sich das Leben und die Arbeit ein Stück mehr so zu gestalten, wie man sich das wünscht. Es gibt allerdings auch Hürden auf diesem Weg.

 

Mehr Freiheit kostet mehr Kraft


Jeder Selbständige weiß, welch extrem wichtige Kompetenz mit hohen Freiheitsgraden einhergehen muss: Das persönliche Selbstmanagement, die eigene Disziplin, alle To-dos erledigt zu bekommen und dennoch Zeit für die Erholung und das soziale Umfeld zu reservieren. Auch Führungskräfte und Unternehmer kennen diese Situation, sie genießen hohe Freiheitsgrade in der Selbstorganisation und tragen eine hohe berufliche Verantwortung.
Sie alle müssen in der Lage sein, blitzschnell Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen.

 

Sie wägen permanent den wirtschaftlichen Erfolg einer neuen Aufgabe oder eines neuen Projekts ab gegen die persönlichen ‚Kosten‘: Erledige ich diese Aufgabe heute noch oder gehe ich jetzt zum Sport, zur Familie oder lese mein neues Buch? Auch Entscheidungen größerer Tragweite werden – bewusst oder unbewusst – so getroffen: Übernehme ich dieses neue Status-Projekt noch und komme meinem Ziel – der Beförderung, der Immobilie, dem Gefühl von  finanzieller Sicherheit näher, auf Kosten der Zeit für mich und meine Beziehungen?

Meist verliert das Privatleben und der Job gewinnt. Das dies dauerhaft nicht der richtige Weg  ist, zeigt sich meist erst, wenn es zu spät ist, die Scheidung auf dem Tisch liegt, der Körper streikt oder sogar zusammenbricht. Beim Freiberufler als auch bei Führungskräften oder  Unternehmern schleicht sich dann ein weiterer Stressor an: Die Existenzangst.

 

Als Coach und Unternehmensberaterin unterstütze ich seit über 15 Jahren Manager und Unternehmen darin, wie sie erfolgreich wirtschaften und dabei kraftvoll und gesund bleiben. Gerade Selbständige spüren oft sehr deutlich die Zerrissenheit zwischen der wirtschaftlichen Absicherung und dem Bedürfnis nach Pausen oder Erholung.

 

Viele Unternehmer und Manager sprechen nicht offen über diese Problematik.

Ich habe gestandene Projektmanager erlebt, die sich regelmäßig vor großen Projekt-Kickoffs  zu Hause vor lauter Stress übergeben mussten, weil sie dem Stress der neuen Anforderung entgegensahen. Oder Berater der ‚Big Four‘- Unternehmensberatungen, die Freitagsabends mit Weinkrämpfen zusammen brachen und Sonntagabende hassten, weil sie sich da so allein fühlten. Weltweit verantwortliche IT-Leiter in globalen Konzernen, beteuerten, dass sie ihre Instant-Messaging-Programme auch nicht für 30 Minuten am Tag aus schalten könnten und waren erstaunt über den Effekt, als sie es dann doch taten- denn man muss nicht permanent erreichbar sein, nur weil man viel Verantwortung trägt. Sogar Ärzte in psychosomatischen Kliniken, mit denen ich gearbeitet habe und die eigentlich Vorbild sein sollten für Burnout-Patienten, leiden enorm unter ihrem  beruflichen Druck und dem Gefühl von zu wenig Zeit.

 

 

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