Generationskonflikt - Haltbarkeit in der IT-Branche

am 23.06.2015 von Ramona Augusto

 

Wurden Sie schon einmal aufgrund Ihres Alters für ein Projekt abgelehnt? Immer wieder liest man in der Presse, dass IT-Experten in den „kritischen" Altersgruppen <30 und 46+ bei Projektvergaben direkt abgelehnt werden oder bei Budgetkürzungen als erstes die Koffer packen müssen.

 

Wie groß der Generationenkonflikt in der IT-Welt sein kann, spiegelt sich auch in der Aussage eines 32-jährigen über seine älteren Kollegen wider. Er bezeichnet sie als Bremser für neue Impulse und spricht ihnen die Kompetenz im Umgang mit den neueren Entwicklungen der Medien ab.

 

Weibliche IT-Experten haben es noch schwerer: Sind sie unter 40 wird ihnen unterstellt, dass sie früher oder später Kinder bekommen und sich nicht mehr auf dem aktuellen Stand halten. Sind sie über 40, gelten sie als zu alt und nicht mehr up-to-date.

 

Besonders kritisch wird es für IT-Experten ab dem Alter von 50. Vier von zehn IT-Freelancern über 50 haben massive Probleme Projekte zu finden. In Festanstellung ist jeder vierte arbeitslos - und das bei einem angeblichen Bedarf von 90.000 Fachkräften.

 

Die Einkäufer klagen zwar über Fachkräftemangel, halten sich aber gegenüber älteren Bewerbern bedeckt. Die Altersvorstellungen liegen etwa zwischen 30 und 45 Jahren. Bewerber müssen in die Teamstruktur, mit einem Durchschnittsalter bei 35 Jahren in vielen großen IT-Unternehmen, passen. Eine Befürchtung der Entscheider ist sicherlich auch, ob ein 55-jähriger einen 32-jähren als Vorgesetzten akzeptieren kann. Hinzu kommen die meist höheren Stundensätze für den „älteren" Experten.

 

Sucht die Branche nur junge Mitarbeiter? Dient die Behauptung des IT-Fachkräftemangels anderen Zielen, zum Beispiel der weiteren Verjüngung und Verbilligung der Belegschaften?

 

IT-Selbstständige sind derzeit im Schnitt 43 Jahre alt und blicken auf durchschnittlich 19 Jahre Berufserfahrung zurück. Doch der Vergleich mit vergangenen Jahren zeigt: Es gibt zunehmend ältere IT-Freiberufler und immer weniger jüngere.

 

Studieren zu wenig junge Menschen Informatik? Ist die Selbstständigkeit für junge Informatiker keine attraktive Arbeitsform? Oder ist letztendlich nur der demografische Wandel die Ursache dafür, dass IT-Selbstständige immer älter werden?

 

 

 

Auf der anderen Seite ist die IT-Branche verhältnismäßig jung und viele Manager vertreten überaus klare Ansichten dazu, ab wann Software-Entwickler zum alten Eisen gehören:

 

"Die Haltbarkeitsdauer eines Software-Entwicklers ist nicht länger als die eines Fußballspielers - ungefähr 15 Jahre. Die 20-jährigen bringen für den Unternehmenserfolg mehr als die 35-Jährigen. [...] Bei dem Tempo, in dem die Technologie sich verändert, wird man mit 35 sehr schnell überflüssig, wenn man sich nicht weiterbildet."

 

Aber auch jüngere IT-Experten müssen gegen Vorurteile ankämpfen: Die Projektleiter vermissen die Fähigkeit zur Selbstorganisation und im Zeitmanagement. Oft kommen hier noch verbale oder schriftliche Unsicherheiten in der Kommunikation dazu.

 

Junge Experten sollten bereits während der Ausbildung oder des Studiums ihre technischen Skills in der Praxis ausbauen und vertiefen. Das theoretisch Erlernte reicht in der Regel für das Arbeiten auf dem freiberuflichen Markt nicht aus. Nur so können sie sich als technische Experten oder Fachexperten profilieren.

 

Ein weiterer Knackpunkt ist, je jünger die Bewerber sind, desto weniger sind sie flexibel und mobil. Immer weniger der jungen IT-Experten streben nach einer Führungsposition und dem großen Karrieresprung, viel wichtiger sind ihnen inzwischen flexible Arbeitszeiten und eine gute Work-Life-Balance. Fünf Tage pro Woche in einer anderen Stadt verbringen? Für einige unvorstellbar.

 

Höchste Zeit für die Personalentscheider, die Altersstruktur zu überdenken?

 

Teams aus Jungen und Älteren können höchst produktiv sein. Zu den positiven Qualitätsmerkmalen älterer Mitarbeiter gehören Erfahrung, Beratungskompetenz und ihr Urteilsvermögen, während die Jungen in der Regel für neue Impulse, Kreativität und eine hohe Motivation sorgen können. Unterschiedliche Ansichten und Vorgehensweisen könnten so bei der Projektarbeit Kreativität und Effizienz enorm steigern, wenn sie richtig gemanagt werden.

 

 

Ramona Augusto, Marketing/Social Media Manager


Nachdem ich mehrere Jahre als SAP Consultant für die Module SD/CS deutschlandweit im Einsatz war, erfolgte 2005 der Wechsel zur axantis AG als Key Account Manager. Das Recruiting passender Experten für die Kunden: SAP, HP, CGI und CSC gehörte hier ebenso zu meinen Aufgaben, wie die Betreuung der Kollegen vor, während und nach dem Projekteinsatz.

Seit Oktober 2012 bin ich für den Bereich Social Media Marketing zuständig und gestalte hier unter anderem diesen Blog, der zum Ziel hat, Beziehungen zwischen unseren freiberuflichen und festen KollegINNen herzustellen, zu beleben und weiter zu vertiefen.


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