Arbeiten 2.0: Die Arbeitswelt wird kopfstehen und Selbstorganisation wird key

am 06.03.2014 von Ida Saccone

 

Wer sich mit den Anforderungen der Arbeitswelt in den nächsten 10 – 15 Jahren beschäftigt, weiß, dass wir – trotz Migration – in Europa einen enormen Arbeitskräfte-Mangel bewältigen müssen.  Arbeitende – unabhängig ob Freiberufler oder Festangestellte – werden sich wahrscheinlich im Jahr 2030 aus zahlreichen Angeboten das für sie passende Unternehmen oder Projekt aussuchen können. 

 

Das bedeutet einen riesigen Wandel für Unternehmen, Führungskräfte und Teamarbeit. Unternehmen werden auf diese veränderten Rahmenbedingungen hauptsächlich auf zwei verschiedene Arten reagieren: Möglichkeit 1. Sie agieren als ‚Caring Company‘, sie hegen und pflegen also ihre Mitarbeiter und tun alles, damit diese sich wohlfühlen. Oder Möglichkeit 2. Sie arbeiten verstärkt mit virtuellen Teams, das heißt, es wird kaum noch Arbeitsplätze im herkömmlichen Sinne geben. Menschen arbeiten von zu Haus, inmitten ihres sozialen Umfelds. Arbeits-Ergebnisse werden zählen, statt Anwesenheitszeiten. Dies bringt enorm viel Freiheiten mit sich, sich das Leben und die Arbeit ein Stück mehr so zu gestalten, wie man sich das wünscht. Es gibt allerdings auch Hürden auf diesem Weg.

 

Mehr Freiheit kostet mehr Kraft


Jeder Selbständige weiß, welch extrem wichtige Kompetenz mit hohen Freiheitsgraden einhergehen muss: Das persönliche Selbstmanagement, die eigene Disziplin, alle To-dos erledigt zu bekommen und dennoch Zeit für die Erholung und das soziale Umfeld zu reservieren. Auch Führungskräfte und Unternehmer kennen diese Situation, sie genießen hohe Freiheitsgrade in der Selbstorganisation und tragen eine hohe berufliche Verantwortung.
Sie alle müssen in der Lage sein, blitzschnell Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen.

 

Sie wägen permanent den wirtschaftlichen Erfolg einer neuen Aufgabe oder eines neuen Projekts ab gegen die persönlichen ‚Kosten‘: Erledige ich diese Aufgabe heute noch oder gehe ich jetzt zum Sport, zur Familie oder lese mein neues Buch? Auch Entscheidungen größerer Tragweite werden – bewusst oder unbewusst – so getroffen: Übernehme ich dieses neue Status-Projekt noch und komme meinem Ziel – der Beförderung, der Immobilie, dem Gefühl von  finanzieller Sicherheit näher, auf Kosten der Zeit für mich und meine Beziehungen?

Meist verliert das Privatleben und der Job gewinnt. Das dies dauerhaft nicht der richtige Weg  ist, zeigt sich meist erst, wenn es zu spät ist, die Scheidung auf dem Tisch liegt, der Körper streikt oder sogar zusammenbricht. Beim Freiberufler als auch bei Führungskräften oder  Unternehmern schleicht sich dann ein weiterer Stressor an: Die Existenzangst.

 

Als Coach und Unternehmensberaterin unterstütze ich seit über 15 Jahren Manager und Unternehmen darin, wie sie erfolgreich wirtschaften und dabei kraftvoll und gesund bleiben. Gerade Selbständige spüren oft sehr deutlich die Zerrissenheit zwischen der wirtschaftlichen Absicherung und dem Bedürfnis nach Pausen oder Erholung.

 

Viele Unternehmer und Manager sprechen nicht offen über diese Problematik.

Ich habe gestandene Projektmanager erlebt, die sich regelmäßig vor großen Projekt-Kickoffs  zu Hause vor lauter Stress übergeben mussten, weil sie dem Stress der neuen Anforderung entgegensahen. Oder Berater der ‚Big Four‘- Unternehmensberatungen, die Freitagsabends mit Weinkrämpfen zusammen brachen und Sonntagabende hassten, weil sie sich da so allein fühlten. Weltweit verantwortliche IT-Leiter in globalen Konzernen, beteuerten, dass sie ihre Instant-Messaging-Programme auch nicht für 30 Minuten am Tag aus schalten könnten und waren erstaunt über den Effekt, als sie es dann doch taten- denn man muss nicht permanent erreichbar sein, nur weil man viel Verantwortung trägt. Sogar Ärzte in psychosomatischen Kliniken, mit denen ich gearbeitet habe und die eigentlich Vorbild sein sollten für Burnout-Patienten, leiden enorm unter ihrem  beruflichen Druck und dem Gefühl von zu wenig Zeit.

 

 

 

In diesem Artikel als auch in zwei folgenden im April und Mai möchte ich Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, sich vor diesem Druck zu schützen, nehmen Sie Ihr Leben wieder selbst in die Hand und managen Sie kraftvoll sich und Ihr Leben.


Viele Frösche in zu heißen Töpfen, eine Zeitmaschine und ein Glas Rotwein


Ich möchte hier nicht das Wort Burnout definieren oder über mögliche Ursachen sprechen. Stattdessen möchte ich Ihnen anbieten, Ihre aktuelle Situation zu beleuchten, um herauszufinden, wo mögliche Kraftquellen und Energieräuber liegen könnten. Denn vielen Menschen geht es wie dem berühmten Frosch im Topf: Der erkennt erst viel zu spät, dass das Wasser von ursprünglich kalter Temperatur immer heißer wird. Hätte man ihn direkt in das heiße Wasser gesetzt, wäre er sofort wieder herausgesprungen. Übertragen auf uns meine ich: Würde man manche Menschen mit einer Zeitmaschine aus dem Lebensabschnitt, als sie 18 Jahre alt waren, in ihr jetziges Leben versetzen, würden diese vielleicht schockiert denken: Nein, so leben möchte ich auf keinen Fall! Da wir uns aber sehr langsam Tag für Tag in diese Situation entwickelt haben, bleiben wir wie der Frosch, im zu heißen Wasser sitzen. Was würde ihr jüngeres Ich mit 18 zu Ihrem heutigen Leben sagen?

 

Ich möchte Ihnen hier einige meiner Lieblingsreflexionen vorstellen, vielleicht drucken Sie diesen Artikel aus, nehmen sich ein Glas Rotwein am Abend, legen eine gute Musik ein und sinnieren über die eine oder andere Frage? Sie können diese Reflektionen zum einen für sich persönlich machen (Bsp: Mich kraftvoll managen) oder aber sie betrachten die Reflektion aus der Brille eines Unternehmers oder einer Führungskraft (Bsp: Andere kraftvoll managen), wenn sie die Situation ihrer Mitarbeiter näher beleuchten möchten.

Beginnen wir mit einem einfachen Bild, Ihrer inneren Waage. Wahrscheinlich kennen Sie das Gefühl, dass es viele energieraubende Tätigkeiten und Umstände  in Ihrem Leben gibt, wie z.B. der Bereich ‚Buchhaltung‘ für Selbständige oder das Leben in Trennung von der Expartnerin und den Kindern. Auf der anderen Seite erleben Sie hoffentlich auch viele schöne Dinge, ich nenne diese ‚Kraftquellen‘, also Tätigkeiten, die Ihnen Freude bereiten und Energie geben, wie zum Beispiel das Programmieren eines neuen Software-Bausteins oder Fußballspielen mit Freunden.

 

Hier mein erstes Reflexionsangebot:


Mich gesund managen
Schritt1: Notieren Sie alle Tätigkeiten und Bereiche, die Ihnen Freude bereiten und Energie geben sowie diejenigen, die Ihnen Kraft rauben.
Schritt 2: Zu welchem der beiden Punkte fiel Ihnen spontan am schnellsten und meisten etwas ein? Wie viele Nennungen pro Seite gibt es?
Schritt 3: Versuchen Sie nun, den Tätigkeiten Wochenzeiten zuzuordnen. Spielen Sie zum Beispiel alle 14 Tage eine Stunde Klavier, notieren Sie 30 Minuten. Ärgern Sie sich mindesten 3 Stunden pro Woche über Auseinandersetzungen mit Ihrem Lebensgefährten, notieren Sie diese Zeiten. Wie ausgeglichen erscheint Ihnen Ihre persönliche Balance nun? Wer sind die größten Kraftquellen und Energieräuber?

Andere gesund managen
Schritt 1: Wenn Sie sich Ihre Mitarbeiter betrachten, was schätzen sie, zu wie viel Prozent mögen diese ihre jeweiligen Tätigkeiten, und wie viele Aufgaben passen nicht zu den individuellen Fähigkeiten und Vorlieben? Betrachten Sie Ihr Team: Wieviel Zeit verbringen die Menschen mit echter Wertschöpfung und wo geht Arbeitskraft verloren durch Unklarheiten, Konflikte oder unpassende Besetzungen?

Schritt 2: Haben Sie im Unternehmen ein Instrument, um zu erfassen, inwieweit die Mitarbeiter zufrieden sind mit ihren Aufgaben, Entscheidungsfreiräumen oder der Eingebundenheit in den Informationsfluss?
Was schätzen Sie, wie attraktiv Sie als Arbeitgeber auf dem Markt wahrgenommen werden?

Über ein Feedback zu Ihren Ideen, Erkenntnissen oder Fragen in diesem Blog an mich, freue ich mich sehr und möchte hierzu ausdrücklich dafür werben.

 

 

Ida Saccone , Management Coach, Inhaberin des WERTSchatz Instituts

Ida Saccone ist seit über 10 Jahren selbständige Unternehmensberaterin und Coach.

Ihre Laufbahn startet die Diplom-Betriebswirtin im internationalen Vertrieb der Daimler AG, bevor Sie 2000 ihre erste GmbH gründete und Seminare und Beratungsdienstleistungen an Konzerne wie IBM, Robert Bosch GmbH oder Daimler vertrieb.

Zu  Ihren Kunden zählen Vorstände, Geschäftsführer sowie Führungskräfte aus den Branchen Bank, Unternehmensberatung, Automobil, Logistik, IT und Handel.

Weitere Informationen finden Sie unter www.wertschatz.com

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