Aufwendungen für ein "Keller-Arbeitszimmer"

am 05.05.2015 von Hendrik Miller

 

Sie arbeiten beruflich von zuhause aus? Dann können Sie Ihre Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer möglicherweise als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abziehen.

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können i. d. R nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden. Eine Ausnahme gilt dann, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall ist der Abzug allerdings auf 1.250 € im Jahr begrenzt.

Diese Beschränkung der Abzugshöhe gilt dann nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet.

 

Auf die einzelnen Voraussetzungen möchte ich kurz eingehen.

 

Ein Arbeitszimmer ist ein Arbeitsraum, in dem vorwiegend gedankliche, schriftliche oder verwaltungs-technische bzw. -organisatorische Arbeiten erledigt werden. Allerdings muss es sich dabei nicht zwangsläufig um Büroarbeiten handeln. Vielmehr ist auch bei einer geistigen, künstlerischen oder schriftstellerischen Betätigung von einem Arbeitszimmer auszugehen. Typischerweise ist ein Arbeitszimmer wie ein Büro eingerichtet mit Schreibtisch, Bürostuhl, Regalen, Computern u.Ä..

 

Häuslich ist ein Arbeitszimmer, wenn es in das private Wohnumfeld eingebunden ist. Um die Kosten für ein solches Arbeitszimmer abziehen zu können, muss gewährleistet sein, dass eine private Nutzung als Wohnraum so gut wie ausgeschlossen ist. Um das sicherzustellen, muss das häusliche Arbeitszimmer folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Das Arbeitszimmer wird fast ausschließlich beruflich genutzt.
  • Das Arbeitszimmer ist wie ein Arbeitsraum eingerichtet.
  • Das Arbeitszimmer ist von den übrigen Wohnräumen abgetrennt.
  • Die Wohnung ist für den Wohnbedarf ausreichend groß.

 

Das Arbeitszimmer muss ein separater Raum sein, der von den übrigen Wohnräumen abgetrennt ist. Das heißt im Klartext: Ein Zimmer mit vier Wänden und einer Tür ist ideal. Dann haben Sie mit dem Finanzamt keine Probleme. Ist das Arbeitszimmer ein Durchgangszimmer, durch das Sie das Schlafzimmer, das Bad oder einen anderen Raum mit untergeordneter Funktion erreichen, ist das auch noch in Ordnung. Ansonsten gilt: Ist das Arbeitszimmer nicht von den übrigen Wohnräumen abgetrennt, werden die Kosten nicht anerkannt

 

Wird nur eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, muss damit gerechnet werden, dass das Finanzamt den Werbungskostenabzug ablehnt.

 

 

 

Ob Ihr Arbeitszimmer häuslich oder außerhäuslich ist, entscheidet über die Höhe der abziehbaren Kosten. Grund: Bei einem außerhäuslichen (externen) Arbeitszimmer bzw. Büro wird nicht geprüft, ob es der Tätigkeitsmittelpunkt ist oder ob ein anderer Arbeitsplatz vorliegt. Die Raumkosten sind vielmehr bei beruflicher Nutzung immer absetzbar.

 

Wie sieht es aber aus, wenn sich das Arbeitszimmer im Keller befindet?

In seiner Entscheidung vom 11.11.2014 kam der Bundesfinanzhof (BFH) zu dem Entschluss, dass auch ein Kellerraum, soweit er in die häusliche Sphäre eingebunden ist, als häusliches Arbeitszimmer anerkannt werden kann. Des Weiteren kann das „Keller-Arbeitszimmer" auch den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen bilden.

 

Im entschiedenen Fall bezog der BFH die Versorgungsbezüge (Rente bzw. Pension) eines Pensionärs, der Gutachtertätigkeiten verrichtete, nicht in die Gesamtbetrachtung der einzelnen betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten ein; das Arbeitszimmer galt somit als Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit, der Steuerpflichtige konnte die Aufwendungen in voller Höhe steuerlich geltend machen. Nach Auffassung des BFH sind nur Einkünfte zu berücksichtigen, die grundsätzlich ein Tätigwerden des Steuerpflichtigen im Veranlagungszeitraum erfordern; das ist bei Versorgungsbezügen nicht der Fall.

 

Die auf ein häusliches Arbeitszimmer anteilig entfallenden Betriebsausgaben sind nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zu der Wohnfläche der Wohnung zu ermitteln. Nicht zur Wohnfläche gehören die Grundflächen von Nebenräumen, insbesondere u.a. Kellerräumen.

 

Dient ein Raum allerdings unmittelbar seiner Funktion nach dem Wohnen und ist er nach seiner baulichen Beschaffenheit (z. B. Vorhandensein von Fenstern), Lage (unmittelbare Verbindung zu den übrigen Wohnräumen) und Ausstattung (Wand- und Bodenbelag, Beheizbarkeit, Einrichtung) dem Standard eines Wohnraums vergleichbar und zum dauernden Aufenthalt von Menschen tatsächlich geeignet und bestimmt, so ist die Lage im Keller nicht von Bedeutung.

 

Die Gesamtwohnfläche, bestehend aus Erdgeschoss und „Keller-Arbeitszimmer" war damit ins Verhältnis zur Fläche des Arbeitszimmers selbst zu setzen.

 

 

Hendrik Miller, Steuerberater


Schwerpunkt meiner Kanzlei, die seit 1998 in Esslingen ansässig ist,  ist die Beratung und Betreuung mittelständischer und kleiner Unternehmen unterschiedlicher Rechtsformen und Branchen, sowie von Privatpersonen.

Wichtig ist mir die laufende Beratung, so dass Gestaltungen durchführbar sind und Probleme rechtzeitig erkannt werden, um Lösungen erarbeiten zu können.

Weitere Informationen zu mir finden Sie unter www.stb-miller.de

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