Dauerbrenner Arbeitszimmer

am 08.04.2014 von Hendrik Miller

Das häusliche Arbeitszimmer ist für die meisten Steuerzahler passé. Denn für diese Kosten gilt grundsätzlich ein Abzugsverbot. Der Fiskus lässt aber zwei Ausnahmen zu:

  • Wenn Ihnen für ihre berufliche oder betriebliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, können Sie ihre Kosten bis zu € 1.250,00 pro Jahr geltend machen.
  • Wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt ihrer gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt, sind die Kosten unbeschränkt abzugsfähig. 

 

Arbeitnehmer können die Kosten als Werbungskosten, Selbständige als Betriebsausgaben geltend machen.

 

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die steuerliche Berücksichtigung, können Sie ihr Arbeitszimmer auch in geringem Umfang, d.h. unter zehn Prozent privat nutzen.

 

Dieser Punkt steht aktuell auf dem Prüfstand. 

 

Es stellt sich die Frage, ob die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer aufteilbar sind?

 

Können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur steuerlich geltend gemacht werden, wenn der jeweilige Raum (nahezu) ausschließlich für betriebliche/berufliche Zwecke genutzt wird oder können diese Aufwendungen entsprechend der jeweiligen Nutzung aufgeteilt werden? Der IX. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Beschluss vom 21.11.2013 diese Rechtsfragen dem Großen Senat des BFH zur Entscheidung vorgelegt.

 

Im zu entscheidenden Fall bewohnt ein Steuerpflichtiger ein Einfamilienhaus, in dem sich auch ein – mit einem Schreibtisch, Büroschränken, Regalen sowie einem Computer ausgestattetes – sog. „häusliches“ Arbeitszimmer befindet. Von seinem Arbeitszimmer aus verwaltet er 2 in seinem Eigentum stehende vermietete Mehrfamilienhäuser. Die Kosten für das Arbeitszimmer machte der Vermieter bei seinen Einkünften aus der Vermietung der Mehrfamilienhäuser geltend. Das Finanzamt ließ die Kosten nicht zum Abzug zu, da sog. gemischte Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nach der gesetzlichen Regelung nicht abgezogen werden dürften.

 

Nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) hat der Kläger nachweislich das Arbeitszimmer zu 60 % zur Erzielung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung genutzt. Das FG hat daher entschieden, dass der Kläger 60 % des von ihm geltend gemachten Aufwands als Werbungskosten geltend machen kann. Es wendet damit die Rechtsprechung des Großen Senats aus dem Jahr 2009, wonach für Aufwendungen, die sowohl berufliche/betriebliche als auch privat veranlasste Teile enthalten (gemischte Aufwendungen), kein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot normiert ist, auch auf das häusliche Arbeitszimmer an.

 

Der vorlegende IX. Senat folgt dem. Er geht davon aus, dass Aufwendungen für abgeschlossene häusliche Arbeitszimmer, die (in zeitlicher Hinsicht) nur teilweise beruflich bzw. betrieblich genutzt werden, aufzuteilen sind. 

 

 

Aufbewahrungsfrist 

 

Leider wurde die geplante Herabsetzung der Aufbewahrungsfrist von zehn auf acht Jahre bisher nicht umgesetzt. 

Dennoch sollten Sie daran denken, dass jährlich Unterlagen nicht länger aufbewahrt werden müssen.

Die Aufbewahrungsfrist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die letzte Eintragung in das Buch gemacht, das Inventar, die Eröffnungsbilanz, der Jahresabschluss oder der Lagebericht aufgestellt, der Handels- oder Geschäftsbrief empfangen oder abgesandt worden oder der Buchungsbeleg entstanden ist. 

 

Im Einzelnen können nachfolgend aufgezeigte Unterlagen nach dem 31.12.2013 vernichtet werden: 

  • Aufbewahrungsfrist 10 Jahre*: Bücher, Inventare, Bilanzen, Rechnungen und Buchungsbelege (Offene-Posten-Buchführung) – d. h. Bücher mit Eintragung vor dem 1.1.2004, Bilanzen und Inventare, die vor dem 1.1.2004 aufgestellt sind, sowie Belege mit Buchfunktion.
  • Aufbewahrungsfrist 6 Jahre*: Empfangene Handels- und Geschäftsbriefe sowie Kopien von abgesandten Handels- und Geschäftsbriefen, sonstige Unterlagen – d. h. Unterlagen und Lohnkonten, die vor dem 1.1.2008 entstanden sind.

 

 

* Dies gilt nicht, soweit Bescheide noch nicht endgültig und soweit Rechtsbehelfs- oder Klageverfahren anhängig sind.

 

 

Hendrik Miller, Steuerberater


Schwerpunkt meiner Kanzlei, die seit 1998 in Esslingen ansässig ist,  ist die Beratung und Betreuung mittelständischer und kleiner Unternehmen unterschiedlicher Rechtsformen und Branchen, sowie von Privatpersonen.

Wichtig ist mir die laufende Beratung, so dass Gestaltungen durchführbar sind und Probleme rechtzeitig erkannt werden, um Lösungen erarbeiten zu können.

Weitere Informationen zu mir finden Sie unter www.stb-miller.de

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