Mail nicht umgeleitet: Wenn freiberufliche IT-Experten haften und was das in puncto Absicherung bedeutet

am 06.05.2014 von Ralph Günther

 

E-Mails können inzwischen an jedem erdenklichen Ort gelesen werden, ans Büro gebunden sind wir dabei schon lange nicht mehr – die Technik der Weiterleitung aufs Handy macht‘s möglich. Die Kehrseite der Medaille: Durch die ständige Erreichbarkeit entsteht ein regelrechter Zwang, möglichst schnell zu antworten. Aber was, wenn die Umleitung wegen eines Programmier- oder sonstigen IT-Fehlers nicht funktioniert? Das kann nicht nur für verärgerte Kunden sorgen, sondern auch teuer werden. Warum sich IT-Freiberufler vor den Folgen solcher Missgeschicke schützen sollten und welche Absicherungsmöglichkeiten es gibt. 

 

Als Versicherungsexperte für Vermögensschäden kommt Ralph Günther von exali.de häufig mit Fällen in Berührung, bei denen sich ein minimaler Fehler zu einem ausgewachsenen Schaden entwickelt – und eben auch mit der Absicherung und Abwicklung solcher Schäden. Deshalb erklärt er, was eine Haftpflicht von freiberuflichen IT-Experten abdecken sollte und was eigentlich ein Vermögensschaden ist.

 

Automatische Weiterleitung von E-Mails fehlgeschlagen

Wenn sich jemand mit der Antwort auf eine E-Mail viel Zeit lässt, ist das manchmal ärgerlich. Im Falle eines IT-Freiberuflers kamen die E-Mails allerdings erst gar nicht an – wodurch seine Kundin eine wichtige Nachricht nicht beantwortete und deren Mandant wiederum geschädigt wurde. 

 

Der Fall mit Dominoeffekt von Anfang an: Eine Steuerberaterin hatte einen freiberuflichen IT-Experten damit beauftragt, ihre Mail-Accounts einzurichten und dabei eine Umleitung sämtlicher Mails aus dem Info-Eingang in ihren persönlichen Posteingang einzurichten. Kurze Zeit später sollte das Postfach außerdem zur mobilen Nutzung auf dem Handy freigegeben werden. 

 

Erst sechs Monate später, stellte die Kundin fest, dass die Weiterleitung wohl doch nicht richtig funktionierte: Ein Mandant hatte im Dezember vergeblich auf eine Antwort auf seine E-Mail gewartet – und deshalb eine First bezüglich seiner Steuererklärung versäumt. Die Folge: Ein Widerspruch wurde nicht rechtzeitig eingelegt und der Mandant war gezwungen, rund 4.000 Euro nachzuzahlen (die er eigentlich nicht hätte zahlen müssen). 

 

Glücklicherweise kam es zu keinen weiteren Fristversäumnissen bei anderen Steuermandanten. Denn dieser Schaden hätte auch leicht viel höher ausfallen können, wenn noch weitere wichtige Mails „untergegangen“ wären oder die Zusatzzahlung höher ausgefallen wäre….

 

Vermögensschäden und die Haftungsfrage

Denn: Die Summe von 4.000 Euro forderte der verärgerte Mandant natürlich von seiner Steuerberaterin zurück – schließlich sollte sie ihn ja vor Nachzahlungen bewahren. Diese nahm wiederum ihren IT-Dienstleister in Regress, da die missglückte Weiterleitung auf dessen Fehler zurückzuführen war. Ein typischer Vermögensschaden, da hier weder ein Personen- noch ein Sachschaden vorliegt, sondern ein Dritter – in diesem Fall die Steuerberaterin – einen finanziellen Schaden (= Vermögensschaden) erlitten hat. 

 

Versicherungstechnisches Hintergrundwissen: Grundsätzlich wird zwischen echten bzw. reinen und unechten Vermögensschäden unterscheiden:

 

  • Von einem reinen Vermögensschaden wird gesprochen, wenn weder eine Person verletzt, noch eine Sache beschädigt wurde, sondern Jemandem durch schuldhaftes Verhalten eines Anderen ein finanzieller Schaden entstanden ist. 
  • Unecht ist der Vermögensschaden, wenn er auf vorhergehenden Sach- oder Personenschaden zurückzuführen ist (z.B. Kosten für die Wiederherstellung der Daten, nachdem die Festplatte bei der Wartung herunterfiel und durch den Sturz beschädigt wurde). 

 

 

 

Die passende Versicherung für Freiberufler aus IT & Telekommunikation

Eine herkömmliche Betriebshaftpflichtversicherung deckt reine Vermögensschäden in aller Regel nicht ab, sondern lediglich Personen- und Sach- sowie daraus resultierende Folgeschäden. Und das, obwohl Vermögensschäden in einigen Branchen mittlerweile zur häufigsten Schadenart gehören. Für diese Bereiche sind deshalb integrierte Versicherungskonzepte, die sowohl eine Vermögensschadenhaftpflicht als auch eine Betriebshaftpflicht vereinen, zeitgemäßer und bieten umfassenderen Schutz.

 

In jedem Fall ist immer darauf zu achten, dass das auf das eigene Business zugeschnittene Versicherungskonzept – z.B. eine IT-Haftpflicht – sowohl reine, als auch unreine Vermögensschäden abdeckt. 

 

Abgesehen davon gibt es einige wichtige Aspekte, die in einer IT-Haftpflichtversicherung enthalten sein sollten, um bestmöglichen Versicherungsschutz zu erreichen: 

 

Offene Formulierung der Tätigkeiten: Alle Tätigkeiten des IT- und Telekommunikationsbereichs sind dank der offenen Deckung abgesichert, ohne einzeln in den Versicherungsbedingungen aufgezählt werden zu müssen. 

 

Überschneidende Tätigkeitsbereiche: Auch überschneidende Tätigkeiten aus dem Medien- und Beratungsbereich, die im Rahmen eines IT-Auftrages ausgeführt werden, sind mitversichert.

 

Schutzrechte Dritter: Eine umfassende Absicherung von Datenschutzrechtsverletzungen ist für IT-Freiberufler unabdingbar. Aber auch Urheber-, Marken-, Namens-, Persönlichkeits- und Wettbewerbsrechtsverletzungen sollten abgedeckt sein – selbst, wenn sie grob fahrlässig verursacht wurden. 

 

Veröffentlichungsrisiken: Ohne Eigenmarketing geht bei Freiberuflern nichts. Daher ist darauf zu achten, dass Ansprüche wegen der Veröffentlichung von Inhalten für eigene Leistungen vom Versicherungsschutz umfasst sind. 

 

Internationaler Versicherungsschutz: Inhalte können übers Internet von jedem Ort der Welt abgerufen werden. Deshalb erfordert das Arbeiten im World Wide Web internationalen Versicherungsschutz. 

 

Umsatzausfall und Mehrkosten: Wenn ein Programmierfehler beim Kunden für Umsatzausfall sorgt, weil beispielsweise dessen Webshop kurzzeitig nicht funktioniert, sollte der Versicherer dafür aufkommen. Dasselbe gilt auch für Mehrkosten in diesem Zusammenhang.

 

Vertragliche Haftung: Hier ist vor allem darauf zu achten, dass Verstöße gegen Geheimhaltungs- und Datenschutzvereinbarungen, die mit hohen Vertragsstrafen geahndet werden, versichert sind.

 

Projektverzögerungen: Leistungsverzögerungen und daraus resultierende Erfüllungsfolgeschäden sollten durch die Haftpflicht abgesichert sein. 

 

Eigenschadenoptionen: Unterschiedliche Businessmodelle erfordern unterschiedlichen Versicherungsschutz. Deshalb sollte die Möglichkeit bestehen, die Versicherung durch optionale Leistungserweiterungen für verschiedene Eigenschäden optimal an die eigenen Anforderungen anzupassen. 

 

Weiterführende Informationen / Weitere Gastbeiträge des Autors:

Vertragsstrafen im IT-Projektvertrag versus Schadenersatz – und warum das mit dem Versicherungsschutz nicht so einfach ist

 

Geheimhaltungspflichten verletzt?! IT-Experte wegen Fachartikel unter Druck

 

 

Ralph Günther, Versicherungsexperte


Ralph Günther, geboren 1972, ist Fachautor, Versicherungsexperte und Gründer sowie Geschäftsführer der exali GmbH, dem Versicherungsportal für Dienstleister und freie Berufe www.exali.de.

Er hat langjährige Erfahrung im Risikomanagement und der Versicherung von IT-Experten, Kreativen und Consultants. Sein Fokus liegt auf der Absicherung von Vermögensschäden – und damit verbunden der Weiter- und Neuentwicklung branchenspezifischer Versicherungskonzepte.

Sein Wissen gibt er regelmäßig als Autor in relevanten Fachmedien an seine Zielgruppe weiter.

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