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Software-Panne beim Finanzamt: Knapp 30.000 Bürger wechseln unfreiwillig die Steuerklasse

am 16.10.2015 von Ralph Günther


„Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: Der Tod und die Steuer.“ Was schon Benjamin Franklin wusste, hat das deutsche Finanzamt im Juli noch einmal unter Beweis gestellt und damit einigen Arbeitnehmern einen gehörigen Schrecken eingejagt. Ohne Vorwarnung wurde zahlreichen Arbeitnehmern nur ein Bruchteil des eigentlichen Gehaltes ausgezahlt, denn beim Finanzamt hatte eine Panne knapp 30.000 Arbeitnehmer fälschlicherweise die Steuerklasse wechseln lassen.

Das Chaos beim Finanzamt und warum auch IT - Freelancer davon lernen können, thematisiert heute Versicherungsexperte und exali.de-Gründer Ralph Günther.


Böse Überraschung auf dem Kontoauszug

Eine Panne beim Finanzamt, sorgt derzeit für jede Menge Aufregung in deutschen Unternehmen und für erschrockene Gesichter bei Arbeitnehmern. Ende Juni hat vermutlich ein Systemupdate zu einem Programmfehler in der ELStAM-Datenbank geführt. Hier werden die Lohnsteuerabzugsmerkmale wie Familienstand, Kinderzahl und Religion gespeichert und monatlich an Arbeitgeber übermittelt. Durch den Fehler haben einzelne verheiratete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bisher Steuerklasse 3 hatten, fälschlicherweise die (deutlich teurere) Steuerklasse 1 erhalten – und zwar rückwirkend zum 1.Januar 2015! Laut Stuttgarter Zeitung sollen insgesamt 28.287 Bürger betroffen sein. read more

Das Ergebnis dieses Fehlers haben einige Arbeitnehmer schließlich am 1. Juli auf ihrem Konto zu spüren bekommen. Deren Arbeitgeber hatten die Lohnabrechnung entsprechend der falschen Informationen des Bundeszentralamts für Steuern angepasst. Damit hat sich nicht nur der Steuersatz für das Juli Gehalt erhöht; die Nachzahlung seit Januar wurde ebenfalls direkt abgezogen. Für viele hieß es dann: Ebbe auf dem Konto und teure Überziehungszinsen!

Wie viele Arbeitnehmer tatsächlich betroffen sind, ist nicht bekannt denn Arbeitgeber können selbst entscheiden, ob die Änderungen auch rückwirkend angewendet werden.


Automatische Fehlerkorrektur?

Die Behebung des Fehlers gestaltet sich als besonders schwierig, wie die Oberfinanzdirektion Karlsruhe in einem Informationsschreiben read more an Arbeitgeber erklärt:

„Die Finanzämter können den Fehler selbst nicht erkennen, sondern sind auf die Hinweise der Betroffenen angewiesen. Deshalb müssen zur Fehlerberichtigung Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Korrektur bei ihrem Finanzamt formlos beantragen.“

Somit sind die betroffenen Arbeitnehmer gleich doppelt angeschmiert. Sie haben nicht nur viel zu wenig Gehalt bekommen, sie müssen sich darüber hinaus auch eigenständig um die Berichtigung kümmern und hoffen, dass ihr Chef die Korrektur möglichst zügig übernimmt.

Die Oberfinanzdirektion bittet Arbeitgeber deshalb so schnell wie möglich zu reagieren und den Fehler auszugleichen. Immerhin sei es vorgekommen, dass im Juli in manchen Fällen durch die hohen Abzüge gar kein Arbeitslohn ausbezahlt wurde.


Ärger in der IT


Die IT-Verantwortlichen des Finanzamts haben im Moment wohl wenig zu lachen. Der Programmfehler in der Datenbank hat sich in einem so hohen Ausmaß verselbständigt, dass die Auswirkungen noch viele Monate zu spüren sein dürften. Vom Imageschaden abgesehen, sind die finanziellen Auswirkungen auch für die Behörde nicht zu unterschätzen. Tausende Fehlbuchungen müssen korrigiert werden; vom Beratungsmehraufwand der einzelnen Zuständigkeiten ganz zu schweigen! Und dann sind da noch die Arbeitnehmer, die zum Teil unnötige Überziehungszinsen auf dem Gehaltskonto zu zahlen hatten.

Der Programmfehler in der Datenbank der Finanzbehörde zeigt eindrucksvoll, wie schnell ein kleines Versehen eines IT-Experten eine Lawine lostreten kann, die nicht mehr zu bremsen ist. Die auflaufenden Kosten derartiger Fehler klettern dabei schnell in sechsstellige Höhe und am Ende muss der IT-Dienstleister wohl dafür haften. Um sich vor den finanziellen Folgen beruflicher Fehler zu schützen, sollten IT-Experten eine speziell auf ihr Business zugeschnittenen Berufshaftpflichtversicherung – häufig IT-Haftpflicht genannt – besitzen.

Eine gute Berufshaftpflichtversicherung für IT - Freelancer sichert nicht nur Schadenersatzforderungen Dritter ab, sondern schützt auch bei bestimmten Eigenschäden, die im IT-Business ebenfalls häufig auftreten. Dazu gehören unter anderen die Kosten für eine strafrechtliche Verteidigung im Schadenfall, einen Hackerschaden an der eigenen Webseite oder auch die finanziellen Aufwendungen für die Wiederbeschaffung verlorener, eigener, schriftlicher Dokumente zur Auftragserledigung.

 

 

 

Ralph Günther - Versicherungsexperte

Ralph Günther, geboren 1972, ist Fachautor, Versicherungsexperte und Gründer sowie Geschäftsführer der exali GmbH, dem Versicherungsportal für Dienstleister und freie Berufe www.exali.de.

Er hat langjährige Erfahrung im Risikomanagement und der Versicherung von IT-Experten, Kreativen und Consultants. Sein Fokus liegt auf der Absicherung von Vermögensschäden – und damit verbunden der Weiter- und Neuentwicklung branchenspezifischer Versicherungskonzepte.

Sein Wissen gibt er regelmäßig als Autor in relevanten Fachmedien an seine Zielgruppe weiter.

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